Du hast eine Kopie deines Personalausweises oder Reisepasses an jemanden geschickt – und jetzt stellt sich heraus, dass es ein Betrüger war. Erst einmal: Das passiert leider vielen. Auf Kleinanzeigen-Portalen, in Wohnungsbörsen oder bei angeblichen Jobangeboten fragen Kriminelle gezielt nach Ausweiskopien. Jetzt zählt, dass du schnell und richtig reagierst. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, was zu tun ist, wenn du eine Ausweiskopie an einen Betrüger geschickt hast, wie du Identitätsmissbrauch vorbeugst und woran du früh erkennst, ob deine Daten missbraucht werden.
Warum Betrüger ausgerechnet Ausweiskopien wollen
Eine Ausweiskopie wirkt auf den ersten Blick harmlos – schließlich ist es „nur" eine Kopie. Für Kriminelle ist sie jedoch bares Geld wert. Mit Name, Geburtsdatum, Adresse, Ausweisnummer und deinem Foto lassen sich Identitäten glaubwürdig nachahmen. Die Polizei warnt ausdrücklich: Eine zugesandte Ausweiskopie beweist nicht, dass der Absender tatsächlich die Person ist, die er vorgibt zu sein – denn die Kopie kann selbst aus einem Identitätsdiebstahl stammen.
Besonders perfide: Deine Kopie dient dem Betrüger gleich doppelt. Erstens kann er sie nutzen, um in deinem Namen Bestellungen aufzugeben, Verträge abzuschließen oder Konten zu eröffnen. Zweitens – und das wird oft übersehen – zeigt er deine Ausweiskopie womöglich dem nächsten Opfer, um sich als vertrauenswürdiger Verkäufer, Vermieter oder Arbeitgeber auszugeben. So wird deine Identität zum Werkzeug für weitere Betrügereien. Deshalb raten Polizei und Verbraucherschützer: Schick niemals Ausweiskopien an Fremde – erst recht nicht per E-Mail oder Messenger.
Was mit deiner Ausweiskopie passieren kann
Die Folgen eines Identitätsdiebstahls sind laut Verbraucherzentrale vielfältig: Kriminelle schließen mit erbeuteten Daten kostenpflichtige Abonnements ab, richten Nutzerkonten ein, bestellen Waren oder schließen Verträge – alles auf Kosten der Opfer. Konkret drohen dir diese Missbrauchsformen:
- Warenbestellungen in deinem Namen: Täter bestellen bei Online-Shops auf Rechnung – die Ware fangen sie beim Postboten ab, die Rechnung landet bei dir.
- Abos und Verträge: Streaming-Dienste, Dating-Portale, Premium-Mailkonten oder Mobilfunkverträge werden mit deinen Daten abgeschlossen. Vom Vertragsabschluss erfährst du oft erst durch das Willkommensschreiben.
- Bankkonten und Kredite: Mit gefälschten oder echten Ausweisdaten lassen sich Konten eröffnen oder Kredite beantragen. In extremen Fällen warnt die Polizei sogar vor Geldwäsche-Vorwürfen, wenn Konten unter deinem Namen für illegale Geschäfte genutzt werden.
- Weitere Betrügereien: Deine Kopie wird als „Vertrauensbeweis" an neue Opfer weitergegeben oder im Darknet angeboten.
- Deepfakes: Aus deinem Ausweisfoto lassen sich mit KI täuschend echte Bilder oder Videos erstellen, die für weitere Maschen missbraucht werden.
Die meisten Betroffenen bemerken den Missbrauch erst, wenn unerwartete Rechnungen, Mahnungen oder Inkasso-Schreiben ins Haus flattern. Genau deshalb ist es so wichtig, dass du jetzt die folgenden Schritte abarbeitest – auch wenn sich bisher noch nichts Verdächtiges getan hat.
Sofortmaßnahmen: Schritt für Schritt
Schritt 1: Alles sichern und dokumentieren
Bevor du irgendetwas anderes tust: Sichere alle Beweise. Speichere den Chatverlauf, E-Mails, die Anzeige oder das Stellenangebot, die Kontaktdaten des Betrügers (Name, Telefonnummer, E-Mail, IBAN, falls genannt) und notiere dir, wann du welche Kopie geschickt hast. Screenshots von Anzeigen oder Profilen sind wichtig, weil Betrüger ihre Spuren schnell löschen. Diese Dokumentation brauchst du für die Anzeige und später für Widersprüche gegen unberechtigte Forderungen.
Schritt 2: Anzeige bei der Polizei erstatten
Das ist der wichtigste Schritt – und er sollte nicht warten. Melde den Vorfall bei der Polizei und schildere genau, wann du die Ausweiskopie an wen geschickt hast und warum du einen Betrug vermutest. Das geht persönlich auf der Wache oder bequem online über die Onlinewachen der Polizeien der Länder. Die Anzeige dokumentiert offiziell, dass deine Daten in fremden Händen sind. Das schützt dich später, wenn jemand in deinem Namen handelt: Du kannst dann nachweisen, dass du den Missbrauch früh gemeldet hast. Details dazu findest du im Ratgeber der Polizei zum Identitätsdiebstahl.
Schritt 3: Bank und Zahlungsdienstleister informieren
Setze deine Bank sofort in Kenntnis, damit keine Konten oder Kredite in deinem Namen eröffnet werden können. Nutzt du Zahlungsdienste wie PayPal, informiere auch dort den Kundenservice und prüfe deine Kontobewegungen der letzten Wochen auf Unregelmäßigkeiten. Wenn bereits unberechtigte Abbuchungen stattgefunden haben, lass sie zurückbuchen und sperre betroffene Karten.
Schritt 4: Bonität schützen – Selbstauskunft bei Auskunfteien
Bei Identitätsmissbrauch werden oft Verträge abgeschlossen, die deine Bonität ruinieren können – zum Beispiel durch unbezahlte Rechnungen, die als Negativeinträge landen. Fordere deshalb eine kostenlose SCHUFA-Selbstauskunft an und prüfe, ob bereits Einträge existieren, die du nicht kennst. Die Polizei empfiehlt außerdem, den Identitätsdiebstahl bei den großen Wirtschaftsauskunfteien zu melden und bei Bedarf einen Sperrvermerk setzen zu lassen. Auch bei anderen Auskunfteien wie CRIF kannst du den Vorfall melden.
Schritt 5: Online-Konten absichern
Ändere die Passwörter deiner wichtigsten Konten – allen voran dein E-Mail-Postfach, denn über die E-Mail-Adresse lassen sich viele andere Konten zurücksetzen. Verwende für jeden Dienst ein eigenes, starkes Passwort und aktiviere überall, wo es geht, die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Prüfe in den Einstellungen deiner Konten, ob unbekannte Geräte oder Sitzungen angemeldet sind, und melde dich dort überall ab. Gerade nach Phishing-Kontakt lohnt es sich, noch einmal genau hinzuschauen: Wie du Phishing-Mails erkennen kannst, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst.
Schritt 6: Ausweis und Online-Ausweisfunktion prüfen
Dein physisches Dokument hast du noch – und genau das ist der entscheidende Punkt. Die Polizei rät, verlorene oder gestohlene Ausweise sowie die Online-Ausweisfunktion (eID) umgehend sperren zu lassen. Das betrifft dich, wenn dein Ausweis tatsächlich weg ist. Eine bloße Kopie reicht für die Online-Ausweisfunktion übrigens nicht aus: Dafür braucht es den Chip im physischen Ausweis und deine persönliche PIN. Trotzdem gilt: Beobachte in den nächsten Monaten aufmerksam, ob Post von Behörden, Banken oder Mobilfunkanbietern kommt, die du nicht zuordnen kannst.
Schritt 7: Wachsam bleiben – über Monate
Identitätsmissbrauch zeigt sich oft erst mit Verzögerung. Lege dir eine einfache Routine zu: Prüfe regelmäßig deine Kontoauszüge, öffne keine Rechnungen und Mahnungen einfach weg, sondern nimm jede unberechtigte Forderung ernst – auch kleine Beträge. Sprich im Zweifel mit deiner Verbraucherzentrale, bevor du zahlst. Und falls doch ein gerichtlicher Mahnbescheid kommt: Lege innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung schriftlich Widerspruch ein, sonst wird die Forderung vollstreckbar – egal, ob sie berechtigt ist oder nicht.
Woran du Missbrauch früh erkennst
Je früher du einen Missbrauch bemerkst, desto kleiner bleibt der Schaden. Diese Warnzeichen solltest du ernst nehmen:
- Rechnungen, Mahnungen oder Inkasso-Schreiben für Dinge, die du nie bestellt hast
- Unbekannte Abbuchungen auf deinem Konto oder deiner Kreditkarte
- Bestellbestätigungen, Pakete oder Willkommensschreiben von Firmen, bei denen du kein Kunde bist
- Anrufe oder Post von Mobilfunkanbietern wegen eines Vertrags, den du nie abgeschlossen hast
- Benachrichtigungen über Passwortänderungen oder Logins, die nicht von dir stammen
Typisch ist, dass die ersten Anzeichen harmlos wirken – eine kleine Rechnung hier, ein Werbebrief dort. Nimm nichts davon auf die leichte Schulter, solange der Vorfall mit deiner Ausweiskopie ungeklärt ist.
Was tun, wenn schon Forderungen bei dir eingehen?
Kommt tatsächlich eine unberechtigte Forderung, gilt: niemals ignorieren, aber auch nicht einfach zahlen. Widersprich schriftlich und bewahre eine Kopie deines Schreibens auf. Erkläre, dass du den Vertrag nicht abgeschlossen hast, und lege eine Kopie deiner Strafanzeige als Nachweis für den Identitätsdiebstahl bei – das empfehlen auch die Verbraucherzentralen, die dafür Musterbriefe und Notfall-Checks zu den Folgen von Identitätsdiebstahl bereitstellen. Bei einem gerichtlichen Mahnbescheid ist die Zwei-Wochen-Frist heilig: Verpasst du sie, droht ein Vollstreckungsbescheid mit Gehaltspfändung – selbst bei einer erfundenen Forderung. Droht hoher Schaden oder wird es rechtlich kompliziert, lass dich von einem Anwalt beraten.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Bei größeren Schäden oder unklarer Rechtslage wende dich an einen Anwalt oder deine Verbraucherzentrale.
Damit es nicht noch einmal passiert: Ausweiskopien richtig handhaben
Manchmal lässt sich eine Ausweiskopie nicht vermeiden – etwa bei Behörden oder Banken. Das Bundesinnenministerium und die Polizei geben dafür klare Regeln vor, mit denen du das Risiko deutlich senkst:
- Schwarz-weiß statt Farbe: Drucke die Kopie selbst und nur in Schwarz-Weiß aus. Das erschwert den Missbrauch.
- Als Kopie kennzeichnen: Schreibe groß „Kopie" darauf und vermerke Zweck, Empfänger und Datum – am besten als Wasserzeichen, z. B. „Nur zur Vorlage bei [Unternehmen] am [Datum]".
- Unnötiges schwärzen: Für die meisten Zwecke reichen Name, Geburtsdatum und Wohnort. Schwärze alles andere – besonders die Zugangsnummer (CAN) und die Dokumentennummer, aber auch Augenfarbe, Unterschrift oder die maschinenlesbare Zone. Die Schwärzung muss dauerhaft und technisch nicht wiederherstellbar sein.
- Sichere Übertragung: Schick Kopien niemals per unverschlüsselter E-Mail. Nutze verschlüsselte Übertragungswege oder – noch besser – die Online-Ausweisfunktion deines Personalausweises, die eine Kopie oft überflüssig macht.
- Nachfragen und löschen lassen: Frage beim Empfänger, welche Angaben wirklich nötig sind, und bitte nach Erledigung um die Löschung der Kopie.
Mehr Hintergrund zu typischen Maschen findest du in unserem Markt de Ratgeber – dort erklären wir auch, woran du Betrug auf Kleinanzeigen erkennen kannst, bevor du überhaupt Daten herausgibst. Und beim nächsten Kauf lohnt ein Blick auf unsere Übersicht, wie du auf Kleinanzeigen sicher bezahlen kannst.
Häufige Fragen
Kann ein Betrüger mit meiner Ausweiskopie ein Bankkonto eröffnen?
Für ein seriöses Konto braucht es in Deutschland ein Video-Ident- oder Postident-Verfahren mit dem echten Dokument – eine bloße Kopie genügt dafür nicht. Das Problem: Nicht jeder Anbieter prüft so sorgfältig, und im Ausland gelten andere Regeln. Außerdem reichen Name, Adresse und Geburtsdatum für viele Online-Abschlüsse, Abos und Bestellungen auf Rechnung völlig aus. Deshalb ist die Anzeige bei der Polizei so wichtig – auch wenn ein Konto auf deinen Namen erst einmal unwahrscheinlich wirkt.
Muss ich meinen Personalausweis jetzt neu beantragen oder sperren lassen?
Nein – zumindest nicht, solange du das Dokument noch besitzt. Die Kopie lässt sich technisch nicht „zurückrufen" oder sperren; dein Ausweis selbst bleibt voll gültig. Eine Sperrung (und Neuausstellung) ist nur nötig, wenn der Ausweis verloren gegangen oder gestohlen wurde – oder wenn du die Online-Ausweisfunktion deaktivieren möchtest. Entscheidend ist die Strafanzeige, nicht ein neuer Ausweis.
Wie erfahre ich, ob meine Daten bereits missbraucht wurden?
Am zuverlässigsten über drei Wege: eine SCHUFA-Selbstauskunft (zeigt unbekannte Verträge und Negativeinträge), deine Kontoauszüge (zeigen unbekannte Abbuchungen) und deine Post (unberechtigte Rechnungen oder Mahnungen). Viele Opfer erfahren erst durch Inkasso-Schreiben vom Missbrauch – deshalb solltest du keine unbekannte Forderung einfach wegwerfen, sondern jede prüfen.
Was kostet die SCHUFA-Selbstauskunft?
Die Datenkopie nach Art. 15 DSGVO – früher „Selbstauskunft" genannt – ist einmal pro Anfrage kostenlos. Lass dich nicht von kostenpflichtigen Zusatzprodukten verwirren: Für die reine Kontrolle deiner Einträge reicht die kostenlose Auskunft völlig aus.
Wie lange muss ich wachsam bleiben?
Rechne mit mindestens einem Jahr erhöhter Aufmerksamkeit. Betrüger nutzen erbeutete Daten oft nicht sofort, sondern warten Wochen oder Monate, bis das Opfer den Vorfall vergessen hat. Manche Kopien tauchen sogar erst Jahre später wieder auf – etwa im Darknet. Die gute Nachricht: Je länger nichts passiert, desto unwahrscheinlicher wird ein Missbrauch.
Kann ich verlangen, dass der Betrüger meine Kopie löscht?
Du kannst es versuchen – etwa per Nachricht an die bekannte E-Mail-Adresse oder Telefonnummer. Praktisch wird das wenig bringen, denn Betrüger reagieren auf solche Aufforderungen in der Regel nicht. Verlass dich also nicht darauf, sondern arbeite die Schutzmaßnahmen oben ab. Rechtlich kannst du den Vorfall zusätzlich bei deiner Landesdatenschutzbehörde melden.











