Der Welpe auf den Fotos sieht perfekt aus: eine Französische Bulldogge für 650 Euro, der „Züchter" antwortet freundlich und bittet nur um eine kleine Anzahlung per Überweisung, damit der Welpe für dich reserviert ist. Was folgt, ist leider eine der häufigsten Betrugsmaschen im Internet: Das Geld ist weg, der Welpe existiert gar nicht. Wer Welpenbetrug mit Anzahlung erkennen will, muss die Warnsignale kennen – und genau darum geht es hier.
Was ist Welpenbetrug mit Anzahlung?
Welpenbetrug mit Anzahlung ist eine Betrugsmasche, bei der vermeintliche Verkäufer auf Kleinanzeigen-Portalen oder in sozialen Netzwerken Hundewelpen anbieten und eine Anzahlung im Voraus verlangen – für einen Welpen, den es entweder gar nicht gibt oder der nie geliefert wird. Betrüger drängen zu schnellen Entscheidungen, damit du keine Zeit zum Prüfen hast. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Warnsignalen erkennst du die Masche frühzeitig.
Die 10 Warnsignale: Woran du Welpenbetrug mit Anzahlung erkennst
Kein einzelnes Warnsignal beweist Betrug – aber je mehr dieser Punkte zutreffen, desto eher hast du es mit Abzocke zu tun:
- Auffällig günstiger Preis. Eine Französische Bulldogge für 650 Euro oder ein Labrador für 300 Euro? Von anerkannten Züchtern kosten Rassewelpen ab 600 Euro aufwärts, bei beliebten Rassen deutlich mehr. Ein Schnäppchenpreis bei einer gefragten Rasse ist das stärkste Warnsignal.
- Anzahlung oder Vorkasse per Banküberweisung. Der Verkäufer verlangt Geld im Voraus – für die „Reservierung", den „Versand" oder „Papiere". Das ist die Kernmasche.
- Kein Besuch vor Ort möglich. Du darfst den Welpen nicht besichtigen, die Mutterhündin ist „gerade beim Tierarzt" oder „nicht da". Ein seriöser Züchter besteht sogar darauf, dass du vorbeikommst.
- Der Welpe soll versendet werden. Ein Hund per Kurier oder Spedition? Kleinanzeigen untersagt den Versand von Tieren in seinen Grundsätzen ausdrücklich – ein seriöser Züchter gibt keinen Welpen in ein Transportauto an Fremde.
- Kontakt nur über WhatsApp oder E-Mail. Kein Nachname, keine Festnetznummer, keine Adresse auf einem Klingelschild – die Identität des Verkäufers lässt sich nicht prüfen.
- Rührselige Geschichten. Umzug, Scheidung, Trauerfall, Krankheit – der „private Züchter" muss den Welpen angeblich dringend abgeben und wickelt alles schnell ab.
- Druck und Zeitnot. „Sonst ist er morgen weg", „noch zwei Interessenten", „nur heute reservierbar". Betrüger drängen zu schnellen Entscheidungen, damit du keine Zeit zum Prüfen hast.
- Immer neue Gebühren. Erst die Anzahlung, dann die „Transportbox-Kaution", dann „Zollgebühren" oder eine „letzte Tierarztkontrolle". Jede weitere Zahlung ist weggeworfenes Geld.
- Keine Fragen an dich. Ein echter Züchter will wissen, wo sein Welpe landet – Beruf, Wohnung, Erfahrung mit Hunden. Wer keine einzige Frage stellt, will nur dein Geld.
- Viele Rassen, viele Würfe. Der „Züchter" bietet gleichzeitig mehrere Rassen und ständig neue Würfe an. Wer mehr als zwei Rassen und mehr als vier Würfe im Jahr anbietet, ist in der Regel ein Vermehrer – oder ein Betrüger.
Typische Maschen: Wie Betrüger die Anzahlung abkassieren
Die Geschichten unterscheiden sich im Detail, folgen aber immer demselben Drehbuch. Zwei reale Fälle zeigen das Muster:
Die Anzahlungs-Variante: Eine 67-jährige Frau wurde per E-Mail von einer angeblichen privaten Züchterin kontaktiert. Für einen Chihuahua-Welpen überwies sie 400 Euro Anzahlung – der Transport sollte über eine spezielle Tierspedition laufen. Danach forderte die „Züchterin" weitere 500 Euro Kaution für eine Transportbox. Die Frau wurde misstrauisch, prüfte die Angaben und stellte fest: Weder die Züchterin noch die genannte Zoohandlung existierten an den angegebenen Orten. Sie brach den Kontakt ab und erstattete Anzeige bei der Polizei (Polizei Mecklenburg-Vorpommern, November 2025).
Die Nachzahlungs-Variante: Eine Frau aus Neuss wurde auf einem sozialen Netzwerk auf ein Welpenangebot aufmerksam. Man einigte sich auf 500 Euro, 150 Euro zahlte sie sofort an. Einen Tag vor dem vereinbarten Treffen verlangte der Verkäufer weitere 100 Euro für eine „Abschlusskontrolle beim Tierarzt". Als die Frau stattdessen sofort abholen wollte, wurde sie spätabends an eine Adresse in Bielefeld bestellt – der Verkäufer erschien nie (Polizei Bielefeld).
In beiden Fällen gilt die Empfehlung der Polizei: Kaufe niemals ein Tier, das du nicht persönlich gesehen hast, leiste keine Vorauszahlungen oder Kautionen an unbekannte Anbieter und prüfe Anbieterinformationen gründlich.
Preis-Realitätscheck: Was kostet ein seriös gezüchteter Welpe?
Ein ehrlicher Blick auf die Preise schützt vor der häufigsten Falle:
- Rassewelpe von anerkannten Züchtern: ab 600 Euro aufwärts, bei beliebten Rassen wie Französischer Bulldogge, Labrador oder Golden Retriever oft deutlich mehr – seriöse Zucht (Gesundheitstests, Impfungen, Papiere, Aufzucht) kostet Geld.
- Warnung aus Kleinanzeigen: Auf Quoka warnen Nutzer aktuell vor Anzeigen mit Französischen Bulldoggen für 650 Euro – identischer Text in mehreren Anzeigen, Kontakt nur per WhatsApp, Geld im Voraus für Hunde, die es nicht gibt. „Gibt keine Bullys für 650" – das sind Betrugsmaschen.
- Umgekehrt gilt: Auch ein hoher Preis schützt nicht. Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass illegale Händler ihre Preise inzwischen den Züchterpreisen angepasst haben und mit gefälschten Papieren seriös wirken. Teuer ist also kein Garant für seriös.
Merke: Ein unrealistisch niedriger Preis ist fast immer ein Köder. Aber auch ein hoher Preis macht einen Anbieter nicht automatisch vertrauenswürdig – prüfe immer den Menschen dahinter.
Seriöser Züchter oder Betrüger: Der direkte Vergleich
| Merkmal | Seriöser Züchter | Betrüger |
|---|---|---|
| Besichtigung | Lädt dich mehrfach zu sich ein, zeigt Mutterhündin und Wurf | Verweigert Besuch, schlägt Treffen an „neutralem Ort" vor |
| Fragen an dich | Fragt ausführlich nach Wohnung, Familie, Erfahrung | Fragt nur nach deiner Zahlungsbereitschaft |
| Papiere | Ahnentafel (Stammbaum), EU-Heimtierausweis, Impfungen – alles beim Abholen dabei | „Papiere kosten extra" oder kommen „später per Post" |
| Anzahlung | Allenfalls vertraglich geregelt, nach persönlichem Kennenlernen | Sofort per Überweisung an Unbekannte, oft ins Ausland |
| Versand | Kein seriöser Züchter verschickt einen Welpen per Kurier | Bietet „Tierspedition" oder Expressversand an |
| Kommunikation | Voller Name, Adresse, Festnetz, Vereinszugehörigkeit | Nur WhatsApp, keine Adresse, keine Nachweise |
| Zeitdruck | Lässt dir Zeit, Welpe wird ggf. über Wochen begleitet | „Nur heute", „morgen ist er weg" |
| Alter bei Abgabe | Frühestens mit 8 Wochen (aus dem Ausland erst ab 15 Wochen) | Bietet viel zu junge Welpen an |
So prüfst du einen Züchter: 7 Schritte vor jeder Anzahlung
- Besuche den Wurf persönlich. Mehrmals, wenn möglich. Lass dir die Mutterhündin zeigen – säugt sie die Welpen, geht sie liebevoll mit ihnen um? Eine „Alibi-Hündin", die kein Interesse an den Welpen zeigt, ist ein klares Zeichen. Wer mehr über die Merkmale eines seriösen Züchters wissen will, findet in unserem Ratgeber die komplette Übersicht.
- Prüfe die Vereinszugehörigkeit. Seriöse Züchter sind meist Mitglied in einem Rassezuchtverein, z. B. über den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). Frag nach dem Vereinsnamen und verifiziere ihn beim Verein selbst – nicht nur beim Anbieter.
- Lass dir Papiere zeigen. Ahnentafel der Elterntiere, Impfpass bzw. EU-Heimtierausweis, Chipnummer. Alles muss zum Welpen passen und schon vor der Abgabe vorliegen.
- Stelle Rückfragen zur Zucht. Wie viele Würfe gab es in diesem Jahr? Warum wurde gerade diese Verpaarung gewählt? Welche Gesundheitstests wurden gemacht? Ein echter Züchter beantwortet das ausführlich und gerne.
- Prüfe die Identität des Anbieters. Voller Name, Adresse, Telefonnummer. Rufe an – nicht nur schreiben. Seriöse Anbieter haben kein Problem mit einem Telefonat oder Videocall mit den Welpen.
- Zahle niemals ins Blaue. Keine Überweisung an Unbekannte, kein Bargeld im Briefumschlag, keine Dienste wie Western Union oder MoneyGram – das rät auch Kleinanzeigen in seinen Sicherheitshinweisen. Bei PayPal nutze immer die Option „Waren und Dienstleistungen", damit du vom Käuferschutz abgedeckt bist. Mehr dazu in unserem Überblick über sichere Zahlungsarten auf Kleinanzeigen.
- Bestehe auf einem Kaufvertrag. Name, Adresse, Kaufpreis, Haftungsregelungen – ein schriftlicher Vertrag schützt dich im Streitfall. Eine Vorlage findest du in unserem Kaufvertrag-Muster für den Privatkauf.
Zusätzliche Orientierung bietet die Checkliste für den Welpenkauf von Wühltischwelpen, auf die auch Kleinanzeigen selbst in seiner Tiervermittlungs-Policy verweist.
Ich habe schon eine Anzahlung gezahlt – was jetzt?
Erst einmal: Mach dir keine Vorwürfe. Diese Maschen sind professionell aufgebaut und treffen täglich Menschen, die einfach nur einen Hund suchen. Handle jetzt aber schnell und richtig:
- Zahle keinen Cent mehr. Jede weitere „Gebühr" – Transportbox, Zoll, Tierarztkontrolle – landet im selben Loch. Brich den Kontakt ab, sobald weitere Zahlungen gefordert werden.
- Sichere alle Beweise. Screenshots von Anzeige, Chatverlauf, E-Mails, Überweisungsbelege, Kontodaten des Empfängers. Lösche nichts.
- Erstatte Anzeige bei der Polizei. Betrug ist eine Straftat (§ 263 StGB). Nimm alle Beweise mit – auch wenn das Geld vermutlich nicht zurückkommt, hilft deine Anzeige, Muster zu erkennen und andere zu schützen.
- Melde die Anzeige. Melde das Inserat auf dem Portal (bei Kleinanzeigen über die Meldefunktion in der Anzeige) und warne andere. Jede Meldung hilft, wie Kleinanzeigen selbst betont.
- Informiere deine Bank. Bei einer frischen Überweisung frag nach, ob eine Rückbuchung noch möglich ist – die Chancen sind gering, aber der Versuch kostet nichts.
Wichtig: Das hier ist eine redaktionelle Übersicht und keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu deinen Ansprüchen wende dich an einen Anwalt oder eine Verbraucherzentrale.
So läuft eine seriöse Anzahlung ab
Eine Anzahlung ist beim Welpenkauf nicht grundsätzlich verdächtig – viele seriöse Züchter verlangen eine Reservierungsgebühr, weil sie Welpen aus dem Wurf verbindlich für Käufer zurückhalten. Seriös sieht das aber so aus:
- Die Anzahlung wird erst nach persönlichem Kennenlernen vereinbart – nie vor dem ersten Besuch.
- Sie ist in einem schriftlichen Kaufvertrag festgehalten: Höhe, Zweck, was bei Rücktritt passiert (z. B. ob sie angerechnet wird oder verfällt).
- Der Züchter ist identifizierbar: voller Name, Adresse, Vereinszugehörigkeit – alles verifizierbar.
- Die Zahlung läuft auf ein deutsches Konto des Züchters, nicht per Bargeldtransfer ins Ausland.
- Der Züchter drängt nicht – im Gegenteil: Er nimmt sich Zeit für dich, weil er wissen will, wohin sein Welpe kommt.
Faustregel: Erst sehen, dann prüfen, dann vertraglich regeln – und erst ganz zum Schluss zahlen. In dieser Reihenfolge kann dir beim Welpenkauf kaum etwas passieren. Wer Betrug auf Kleinanzeigen grundsätzlich erkennen will, findet dort die allgemeinen Warnsignale, die auch beim Tierkauf gelten.
Fazit: Welpenbetrug mit Anzahlung erkennen heißt, Zeit zu investieren
Betrüger leben von Tempo und Emotionen: süße Fotos, ein Schnäppchenpreis, ein bisschen Zeitdruck – und schon wandert die Anzahlung auf ein fremdes Konto. Nimm dieses Tempo raus: Besuche den Wurf, lerne die Mutterhündin kennen, prüfe den Züchter und zahle erst, wenn alles vertraglich geregelt ist. Ein seriöser Züchter wird dir für diese Sorgfalt danken – ein Betrüger wird das Weite suchen. Genau daran erkennst du den Unterschied.
Häufige Fragen zum Welpenbetrug mit Anzahlung
Ist eine Anzahlung beim Welpenkauf normal? Ja, eine Reservierungsgebühr ist bei seriösen Züchtern üblich – aber erst nach persönlichem Kennenlernen und immer schriftlich in einem Kaufvertrag geregelt. Verdächtig wird es, wenn die Anzahlung vor dem ersten Besuch verlangt wird, per Überweisung an Unbekannte gehen soll oder ständig neue Gebühren dazukommen.
Woran erkenne ich einen unseriösen Welpenverkäufer? Die deutlichsten Zeichen: unrealistisch günstiger Preis bei beliebten Rassen, kein Besuch beim Wurf möglich, die Mutterhündin wird nicht gezeigt, Kontakt nur über WhatsApp, Zeitdruck und Vorkasse. Ein seriöser Züchter stellt dir außerdem viele Fragen – wer nur dein Geld will, fragt nichts.
Was kostet ein Welpe von einem seriösen Züchter? Ein Rassewelpe von anerkannten Züchtern kostet ab 600 Euro aufwärts, bei gefragten Rassen oft deutlich mehr. Angebote weit darunter – etwa eine Französische Bulldogge für 650 Euro – sind in der Regel Betrug oder illegaler Welpenhandel. Beachte aber: Auch hohe Preise schützen nicht vor Betrug, denn unseriöse Händler haben ihre Preise inzwischen angepasst.
Darf ein Züchter einen Welpen per Kurier verschicken? Nein – kein seriöser Züchter verschickt einen Welpen per Kurier oder Spedition. Kleinanzeigen untersagt den Versand von Tieren in seinen Grundsätzen ausdrücklich. Angebote mit „Tierspedition" oder Versand aus dem Ausland sind ein klares Warnsignal für Betrug oder illegalen Welpenhandel.
Ich habe eine Anzahlung überwiesen und der Verkäufer meldet sich nicht mehr. Was tun? Zahle nichts mehr nach, sichere alle Beweise (Screenshots, Chats, Überweisungsbelege), erstatte Anzeige bei der Polizei und melde das Inserat auf dem Portal. Frag zusätzlich bei deiner Bank nach, ob eine Rückbuchung möglich ist. Auch wenn das Geld meist verloren ist: Deine Anzeige schützt andere.
Kann ich mein Geld nach einem Welpenbetrug zurückbekommen? Das ist leider selten. Bei Banküberweisungen an Betrüger ist das Geld meist unwiederbringlich verloren, weil die Konten schnell geleert oder im Ausland geführt werden. Umso wichtiger ist es, Vorkasse an Unbekannte grundsätzlich zu vermeiden und jede verdächtige Anzeige zu melden.











